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Veeam-Punkte: die Fragen, die immer wiederkommen

Es gibt eine Handvoll Fragen zur Veeam-Mietlizenzierung, die mir seit Jahren in derselben Reihenfolge gestellt werden. Nicht von Einkäufern — von Technikern, die ein Angebot vor sich haben und wissen wollen, wie die Zahl darauf zustande kommt.

Dieser Beitrag beantwortet sie am Stück. Ohne Preise: Der Punktpreis ist Verhandlungssache und gehört in ein konkretes Angebot, nicht in einen Blogbeitrag. Punktwerte dagegen sind Herstellerlogik, und die kann man erklären.

Was ein Punkt eigentlich ist

Im Mietmodell des Veeam-Partnerprogramms wird nicht in Lizenzschlüsseln gerechnet, sondern in Punkten. Jeder geschützte Workload hat einen festen Punktwert pro Monat. Am Monatsende werden alle Punkte addiert, und diese Summe ist die Abrechnungsgrundlage.

Das war es im Kern. Alles, was daran kompliziert wird, kommt aus vier Details — und genau die stehen unten.

Zwischen den klassischen Editionen ändert sich fast nichts

Die erste Überraschung für die meisten: Zwischen Standard, Enterprise und Enterprise Plus bewegt sich nur ein einziger Wert.

WorkloadStandardEnterpriseEnterprise Plus
VM5911
Server (physisch)111111
Workstation444

Server bleiben bei 11, Workstations bei 4. Nur der VM-Satz steigt.

Praktisch heißt das: Wer überwiegend physische Server sichert, spürt einen Editionswechsel kaum. Wer überwiegend virtualisiert, spürt ihn sofort und stark. Bevor man über Funktionen diskutiert, lohnt deshalb ein Blick auf das Verhältnis von VMs zu Servern — es entscheidet, ob die Editionsfrage überhaupt eine Kostenfrage ist.

Die Weiche steht vor der Edition, nicht dahinter

Die eigentliche Grundsatzfrage lautet nicht „welche Edition", sondern: Windows-Backup-Server oder Software Appliance?

Bei einem Windows-Backup-Server stehen die klassischen Editionen oben offen. Wer die Software Appliance will, braucht mindestens Data Platform Foundation — in den klassischen Editionen ist sie nicht enthalten.

Diese Reihenfolge umzudrehen ist der häufigste Beratungsfehler, den ich sehe. Wer erst die Edition wählt und dann merkt, dass die Appliance gewünscht ist, rechnet noch einmal von vorn.

Die teuerste Verwechslung: zwei Editionen, identischer Preis

Hier wird es konkret. Enterprise Plus (klassisch, ohne Appliance) und Data Platform Foundation (mit Appliance) liegen bei VM, Server und Workstation auf denselben Werten: 11, 11, 4.

In einer Umgebung ohne Enterprise Applications und ohne Cloud-Workloads kosten die beiden Editionen also exakt gleich viel — nur enthält Foundation zusätzlich die Appliance.

Gerechnet an einer Umgebung mit 37 VMs, acht physischen Servern und einer Workstation:

EditionPunkte pro MonatAppliance
Standard277nein
Enterprise425nein
Enterprise Plus499nein
Data Platform Foundation499ja
Data Platform Advanced590ja
Data Platform Premium725ja

Zwei Dinge stehen da abzulesen. Erstens: Wer keine Appliance braucht, kommt mit Enterprise 74 Punkte günstiger an mehr Funktion als mit beiden 499er-Varianten. Zweitens: Wer Enterprise Plus empfiehlt, wo Foundation denselben Punktwert hat, verschenkt die Appliance.

Das ist kein Grenzfall, das ist die Regel bei dieser Konstellation. Und es fällt nur auf, wenn man alle infrage kommenden Editionen durchrechnet statt zwei zu vergleichen.

Abgerechnet wird der Höchststand, nicht der Schnitt

Der Punkt, an dem die meisten Kalkulationen still danebenliegen.

Die automatische Meldung übermittelt den maximalen lizenzierten Stand im Meldezeitraum, nicht den Monatsdurchschnitt. Wer während einer Migration zwei Wochen lang die alte und die neue Umgebung parallel geschützt hat, zahlt für die Summe aus beiden — nicht für den halben Monat.

Das ist keine Unregelmäßigkeit, das ist die dokumentierte Funktionsweise. Es heißt nur, dass eine Testphase, ein Parallelbetrieb oder eine kurz angeschaltete Zweitumgebung im Meldemonat den vollen Preis kostet. Wer das weiß, legt Migrationen an den Monatsanfang und räumt vor dem Stichtag auf.

Die Meldung ist nicht automatisch richtig

Die Punktzahl kommt automatisch aus der Service-Provider-Konsole. Das verführt dazu, sie ungeprüft weiterzureichen — und genau da entsteht Verlust.

Die automatisch erfasste Nutzung kann von dem abweichen, was man selbst weiterberechnet. Fällt sie höher aus, zahlt man an den Hersteller mehr, als beim Kunden ankommt, und merkt es nicht, weil beide Zahlen für sich plausibel aussehen. Das ist derselbe Mechanismus wie bei dreißig Wiederherstellungspunkten, die anderthalb Tage waren : Nichts wird rot, eine Zahl bedeutet nur etwas anderes, als man annimmt.

Was hilft, ist ein monatlicher Abgleich gegen den Vormonat statt eines Blicks auf die aktuelle Zahl allein. Eine Verdopplung oder ein plötzlicher Einbruch ist fast nie echt. Ein bis zwei Punkte Abweichung sind Rauschen; im zweistelligen Bereich lohnt das Nachsehen.

Und eine Terminfalle steckt auch darin: Vor dem Dritten des Folgemonats lohnt die Prüfung nicht, weil die Freigaben noch nicht durch sind. Danach wird es schnell eng. Wer den Ablauf einmal in den Kalender legt statt ihn zu erinnern, spart sich das jeden Monat neu.

„Mindestabnahme" heißt vier verschiedene Dinge

Diese Frage kostet in Gesprächen die meiste Zeit, weil beide Seiten dasselbe Wort für etwas anderes benutzen. In unseren eigenen Unterlagen steht es inzwischen für vier Sachverhalte:

  • eine Einstiegsschwelle für den ersten Monat, danach wird nach tatsächlicher Nutzung gezählt
  • eine Mengenstaffel, ab der ein Nachlass je Punkt möglich wird
  • eine individuell verhandelte Abnahmeverpflichtung in einem konkreten Angebot, unabhängig vom Verbrauch
  • eine herstellerseitige Schwelle aus dem Mietvertragswerk, gegen die es einen Rabatt gibt

Vier Zahlen, ein Wort. Wer eine davon nennt, ohne dazuzusagen, welche gemeint ist, produziert zuverlässig ein Missverständnis. Das ist kein Wissensproblem, sondern ein Sprachproblem — und es lässt sich lösen, indem man das Wort nie allein stehen lässt.

Der Speicher steckt nicht in den Punkten

Die Frage kommt in jedem zweiten Gespräch, und die Antwort ist kurz: nein.

Punkte lizenzieren die Nutzung der Software. Wo die Backups liegen, ist eine getrennte Entscheidung mit getrennten Kosten. Diese Trennung ist unbequem, weil sie ein Angebot länger aussehen lässt — sie ist aber ehrlicher, weil man ablesen kann, welcher Anteil Lizenz ist und welcher Speicher.

Ein Detail dazu, das größere Rechnungen erzeugt hat als jede Editionsfrage: Fileshares werden nicht je Server gezählt, sondern in 500-GB-Blöcken. Bei ein paar hundert Gigabyte fällt das nicht auf. Bei mehreren zehn Terabyte NAS-Daten wird diese eine Position zum größten Posten der ganzen Kalkulation.

Deshalb gehört die Frage „wie viele Terabyte liegen auf dem NAS" in das erste Gespräch und nicht in die Angebotserstellung. Wie sich Aufbewahrung und Speicherbedarf gegenseitig hochschaukeln, steht in Wenn die Sperre länger hält als die Aufbewahrung .

Wann Pay-per-Use die falsche Antwort ist

Dazu gehört ein Satz, den man von einem Anbieter selten hört: Bleibt eine Umgebung über Jahre unverändert, ist die klassische Kauflizenz günstiger. Nicht knapp, sondern deutlich.

Das Mietmodell rechnet sich nicht über den Preis, sondern über die Veränderbarkeit. Es zahlt sich, sobald sich etwas bewegt — ein neuer Host, eine Konsolidierung, ein Plattformwechsel. Bei der Sockel-Kauflizenz wird genau das teuer, und in keinem Kaufangebot steht, was die nächste Änderung kosten wird.

Wer also eine stabile, abgeschlossene Umgebung hat und sie drei Jahre lang so lassen wird, rechnet mit der Kauflizenz besser. Wer nicht weiß, wie die Umgebung in zwei Jahren aussieht, kauft sich mit dem Mietmodell die Freiheit, es nicht wissen zu müssen.

Für einen Teil der Leser stellt sich die Frage allerdings gar nicht. Der Vergleich oben gilt für den, der seine eigenen Daten sichert. Wer fremde Daten verarbeitet — also jedes Systemhaus, das Backup als Dienstleistung für seine Kunden erbringt — braucht dafür erweiterte Nutzungsrechte, und die hängen an der Mietlizenzierung im Partnerprogramm. Eine gewöhnliche Kauflizenz deckt das nicht ab.

Das ist der eigentliche Unterschied zwischen den beiden Modellen, und er hat mit Geld nichts zu tun. Er geht in Preisvergleichen regelmäßig unter, weil beide Seiten über Punkte und Sockel reden und niemand über die Frage, wessen Daten da eigentlich gesichert werden. Wer als Dienstleister ein Kaufangebot gegen ein Mietangebot hält, vergleicht deshalb nicht zwei Preise — er vergleicht eine Möglichkeit mit einer Unmöglichkeit.

Noch ein Hinweis zum Vergleichen: Kaufangebote sind oft mit Basic Support kalkuliert, Mietverträge mit Production Support. Das eine läuft werktags, das andere rund um die Uhr. Wer beides gegenüberstellt, ohne das zu erwähnen, vergleicht zwei verschiedene Dinge.

Kurz beantwortet

Sind die Lizenzen monatlich kündbar? Im Punktemodell gegenüber dem Hersteller ja, monatlich neu ausgestellt oder beendet. Was im eigenen Kundenvertrag steht, ist davon unabhängig — die beiden Laufzeiten sind nicht dieselbe Sache und sollten in keinem Gespräch vermischt werden.

Gelten die zehn Punkte je 0,5 TB für alles? Nein. Das ist der Wert für die Sicherung eines File Share mit Backup & Replication, kein allgemeiner Speicherpreis.

Wann brauche ich Cloud Connect? Nur, wenn bereits Veeam im Einsatz ist und Backup-Daten ausgelagert werden sollen. Cloud Connect hat eigene, niedrigere Punktwerte als die Editionstabellen oben — Server 7, VM 5, Workstation 3, Replikat-VM 10.

Hat Microsoft 365 dieselben Punkte? Nein, dafür gilt eine eigene Zählweise je Nutzer statt je Workload.

Was passiert, wenn weniger gesichert wird? Die Punktzahl sinkt entsprechend. Der Deckel nach oben ist der Höchststand des Monats, der Boden ist die tatsächliche Nutzung — beziehungsweise die vereinbarte Mindestabnahme, falls eine gilt.

Und wenn kein eigener Backup-Server da ist? Der Agent für Workstations kann weniger als der für Server. Sobald Datenbanken im Spiel sind oder mehrmals täglich gesichert werden soll, ist der Server-Agent die richtige Wahl. Mehrere Ziele gehen, brauchen aber je einen eigenen Job.

Was hier bewusst nicht steht

Zum Schluss der Teil, der in solchen Übersichten sonst fehlt: was hier nicht steht, und warum.

  • Die Punktwerte der Data-Platform-Linie, der SaaS-Pläne und der Zusatzprodukte — Recovery Orchestrator, Kubernetes, Microsoft 365 und die anderen. Es gibt sie, sie sind belegt, und sie stehen trotzdem nicht hier. Solche Tabellen gehören in ein Angebot, in dem jemand für sie geradesteht, nicht in einen Blogbeitrag, der in zwei Jahren noch auffindbar ist.
  • Public-Cloud-Workloads. Eigene Werte, je Edition verschieden, und an einer Stelle sogar gegenläufig zur Erwartung. Wer sie braucht, braucht sie in der Fassung von heute und nicht in meiner.
  • Rundungsregeln bei angebrochenen 500-GB-Blöcken. Das ist der eine Punkt, den ich wirklich nicht weiß: In der Herstellerquelle steht dazu nichts, und was nicht dasteht, rate ich nicht.

Dahinter steckt die einzig brauchbare Haltung zu Lizenzwerten: Vor jeder Kalkulation gegen die aktuelle Herstellerdokumentation prüfen, nicht aus einer Übersicht abschreiben. Auch nicht aus dieser.

Punktwerte ändern sich, Editionsgrenzen verschieben sich zwischen Versionen, und ein Verkaufsargument, das an einer Produktversion hängt, ist irgendwann falsch, ohne dass jemand etwas gemerkt hat. Was hier steht, ist der Stand vom Sommer 2026 und die Denkweise dahinter. Die Denkweise hält länger als die Zahlen.