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Eine Mailadresse, beliebig viele Varianten

TL;DR

  1. An max@firma.de kommt auch max+werbung@firma.de an. Ohne Einrichtung, ohne neues Postfach, ohne Admin.
  2. Exchange Online kann das seit 2022 für alle, Gmail schon seit vielen Jahren. Auch Proton Mail, Fastmail und mailbox.org können es.
  3. Der Teil hinter dem Plus ist ein Etikett. Eine Regel sortiert danach, und man sieht sofort, wer die Adresse weitergegeben hat.
  4. Es ist nur zum Empfangen. Absenden kann man von einer Plus-Adresse in Exchange Online nicht.
  5. Es ist kein Versteck. Wer die Adresse hat, streicht das Plus und kennt die echte. Manche Formulare lehnen das Pluszeichen ab.

Kaum jemand weiß davon, obwohl es seit Jahren in fast jedem Postfach steckt. Man meldet sich beim Onlineshop nicht mit max@firma.de an, sondern mit max+shop@firma.de. Beim Newsletter mit max+newsletter@firma.de. Bei der Messe mit max+messe2026@firma.de. Alles landet im selben Postfach, eingerichtet werden muss nichts.

Der Fachbegriff ist Subadressierung, englisch subaddressing oder plus addressing. Beschrieben ist das Muster in RFC 5233: Vor dem Plus steht der Benutzer, dahinter ein frei wählbares Detail.

So funktioniert es in Exchange Online

Microsoft hat Plus-Adressen in Exchange Online 2022 für alle Mandanten eingeschaltet. Vorher musste der Admin sie aktivieren. Heute steht in der Dokumentation, dass die Funktion standardmäßig an ist.

Kommt eine Mail an max+shop@firma.de, sucht Exchange zuerst ein Postfach mit genau dieser Adresse. Gibt es keins, streicht es das Plus samt Etikett und stellt an max@firma.de zu.

Sortieren lässt sich das mit einer Posteingangsregel: Bedingung Empfängeradresse enthält, dort +newsletter eintragen, als Aktion den Zielordner wählen.

Wer es im Unternehmen nicht will, schaltet es ab. Im Exchange Admin Center unter Einstellungen › Nachrichtenfluss oder per PowerShell:

Set-OrganizationConfig -DisablePlusAddressInRecipients $true

Nachsehen, wie es gerade steht:

Get-OrganizationConfig | Select-Object DisablePlusAddressInRecipients

False heißt: Plus-Adressen funktionieren.

Gmail und Google Workspace

Bei Gmail geht es schon deutlich länger. Google nennt in der Hilfe genau dieses Beispiel: Mails an janedoe+school@gmail.com landen bei janedoe@gmail.com. Sortiert wird mit einem Filter auf das Feld An.

Wer es noch kann

AnbieterName dortBesonderheit
Exchange Online / Microsoft 365Plus AddressingStandardmäßig an, nur zum Empfangen
Gmail / Google WorkspaceAlias mit PluszeichenFilter auf das Feld „An“
Proton MailPlus-AliasLandet ohne Einrichtung im Posteingang
FastmailPlus Addressing und Subdomain AddressingAuch shop@max.firma.de statt Plus, sortiert in den passenden Ordner
mailbox.orgMail ExtensionsSortiert selbst in einen gleichnamigen IMAP-Ordner, Ordnername nur in Kleinbuchstaben

Bei GMX und WEB.DE haben wir dazu nichts Offizielles gefunden. Dort gibt es stattdessen feste Alias-Adressen, die man einzeln anlegt. Wer einen eigenen Mailserver betreibt: Postfix und die meisten anderen kennen das Prinzip, oft muss man nur das Trennzeichen einstellen.

Wofür man es nutzt

  • Woher kommt der Spam? Jeder Shop, jede Messe, jedes Gewinnspiel bekommt sein eigenes Etikett. Kommt Werbung an max+fahrradshop@, weiß man, wer die Adresse weitergegeben hat.
  • Ordnung ohne Aufwand. Newsletter, Rechnungen und Bestellbestätigungen landen über eine Regel direkt im richtigen Ordner statt im Posteingang.
  • Testkonten. Wer eine Anwendung testet, braucht oft zehn Konten mit zehn Adressen. max+test1@, max+test2@ und so weiter sind sofort da, alle im selben Postfach.

Die Grenzen

Nur empfangen. In Exchange Online kann man von einer Plus-Adresse nicht senden. Antworten gehen von der normalen Adresse raus. Wer wirklich unter einer zweiten Adresse schreiben will, braucht einen echten Alias am Postfach.

Outlook zeigt keinen Namen. Eine Plus-Adresse ist kein eingetragener Alias, Outlook löst sie deshalb nicht zum Namen auf. In An und Cc steht nur die Adresse.

Formulare sagen Nein. Manche Anmeldeseiten halten das Pluszeichen für einen Tippfehler und lehnen die Adresse ab. Dann bleibt die normale Adresse oder ein richtiger Alias.

Kein Versteck. Wer max+shop@firma.de kennt, kennt auch max@firma.de. Spammer wissen das. Plus-Adressen zeigen, woher eine Adresse kommt, sie verbergen sie nicht. Wer die echte Adresse gar nicht herausgeben will, braucht Wegwerf-Aliase, wie sie etwa Proton oder Apple mit „E-Mail-Adresse verbergen“ anbieten.

Quellen