Fünfzehn Zeichen, und jedes muss etwas sagen
SRV-NEU-2. So hieß ein Server, der acht Jahre alt war, als ich ihn zum ersten Mal sah. Neu war er nicht mehr, und die 2 stand für nichts, das noch jemand wusste. Im Monitoring, in Veeam, im vCenter: überall derselbe Name, und nirgends stand, was die Maschine tut, für wen sie läuft und ob man sie nachts neu starten darf.
Wer als Systemhaus die Umgebungen vieler Kunden betreut, sieht Hostnamen den ganzen Tag. Der Name ist das Erste, was in jeder Konsole steht. Wenn er nichts sagt, muss man nachschlagen, bei jedem Alarm, bei jedem Restore.
Der Zwang
Ein Windows-Hostname darf höchstens 15 Zeichen haben. Das ist das NetBIOS-Limit, und es ist keine Empfehlung: Was länger ist, wird abgeschnitten, und dann heißt die Maschine im DNS anders als in der Domäne.
Fünfzehn Zeichen also. In die muss alles hinein, was man wissen will, ohne nachzuschlagen.
Das Schema

Sieben Felder, 14 Zeichen, ein Zeichen Reserve:
| Feld | Länge | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Kunde | 3 | SJT | Kundenkürzel aus der zentralen Liste |
| Standort | 3 | HAM | Stadt als UN/LOCODE |
| Lokation | 1 | 1 | Gebäude oder Rechenzentrum am Standort |
| Rolle | 3 | ESX | Funktion des Systems |
| Instanz | 2 | 01 | Laufende Nummer je Rolle und Lokation |
| Deployment | 1 | P | Production, Test, Development, Staging |
| Service | 1 | P | Physical, Virtual, Container |
SJTHAM1ESX01PP ist damit der erste physische ESXi-Host im Rechenzentrum Hamburg, produktiv. SJTBER2SQL05PC ist der fünfte SQL-Server in der zweiten Berliner Lokation, produktiv, als Container.
Das Kundenkürzel kommt aus einer zentralen Liste, und ein Kürzel wird nie neu vergeben, auch nicht nach Vertragsende. Zwei Ziffern für die Instanz heißen: höchstens 99 je Rolle und Lokation. Für Server reicht das immer. Für Arbeitsplätze und Notebooks an einem großen Standort nicht, dort ist die Frage, ob Endgeräte das Server-Schema überhaupt brauchen oder besser nach Inventarnummer heißen. Entschieden ist das bei uns noch nicht.
Zwei Entscheidungen darin haben sich bewährt.
Der Standort ist ein UN/LOCODE. Die Vereinten Nationen pflegen eine Liste mit Dreibuchstaben-Codes für Orte
, für Deutschland allein mehrere tausend
. Hamburg ist HAM, Berlin BER, Horneburg HRB, Buxtehude BUX. Wir müssen uns nichts ausdenken, und zwei Kollegen kommen nicht auf zwei Kürzel für denselben Ort.
Die Rolle hat drei Buchstaben aus einer festen Liste. Die Liste stammt im Kern von vEducate , erweitert um das, was bei uns tatsächlich steht. Wer eine neue Rolle braucht, trägt sie ein. Wer eine erfindet, macht das Schema kaputt.
| Kürzel | Rolle |
|---|---|
ADC | Domain Controller |
APP | Application Server |
AUT | Authentication Services (LDAP, SSO) |
AVR | Anti-Virus Server |
COM | Computer (Arbeitsplatz) |
DBS | Database Server (allgemein) |
DCO | DataCore |
DNS | DNS Server |
DOC | Docker Host |
ESX | Hypervisor (ESXi) |
EXC | Exchange Server |
FIL | File Server (Windows) |
FIR | Firewall |
FTP | FTP Server |
GRA | Grafana |
HPV | Hypervisor (Hyper-V) |
LOG | Log Server (Syslog) |
MGT | Management / Admin |
MON | Monitoring (Zabbix, PRTG) |
NAS | Network Attached Storage |
NOB | Notebook |
PBS | Proxmox Backup Server |
PKI | Zertifizierungsstelle (CA) |
POX | Hypervisor (Proxmox VE) |
PRT | Print Server |
PRX | Proxy Server |
RDS | Terminal Server |
RPX | Reverse Proxy Server |
RTR | Router |
SAN | Fibre Attached Storage |
SIM | SIEM |
SQL | SQL Server |
STO | Generic Storage Server |
SWE | Switch (Ethernet) |
SWF | Switch (Fibre Channel) |
VBR | Veeam Backup Server |
VCA | vCenter Appliance |
VPN | VPN Gateway |
VPX | Veeam Proxy Server |
VRP | Veeam Repository |
VTS | Veeam Tape Server |
WAP | WLAN Access Point |
WEB | Web Server |
WSU | WSUS |
XEN | Hypervisor (XenServer) |
Woran das erste Dokument scheiterte
Die Konvention stand ein Jahr lang in einem Dokument, das sich selbst widersprach.
Oben stand: Hostnamen werden vollständig in Großbuchstaben geschrieben. Unten stand: Servernamen sind immer kleinzuschreiben. Beides galt, je nachdem, wie weit man las. Technisch ist es egal, DNS und NetBIOS unterscheiden nicht. Aber ein Dokument, das an einer Stelle das Gegenteil der anderen sagt, liest keiner mehr als Vorgabe.
Und von fünf Beispielen stimmte eines. SJTHRB1GRA02VD wurde erklärt als „V: virtuell, D: Development“, dabei ist die sechste Stelle das Deployment und die siebte der Service-Typ. Richtig wäre DV gewesen. Ein anderes endete auf PT, Produktion und Test zugleich, was es nicht gibt. Wer sich an die Beispiele hielt statt an die Tabelle, benannte falsch, und beides stand im selben Dokument.
Der Grund war banal: Der Abschnitt mit den Beispielen kam aus einem Chat mit einem Sprachmodell, samt „Danke für die Korrektur!“ und Abschiedsgruß, und niemand hatte ihn gegen die Tabelle gelesen.
Seitdem ist das Bild oben die Vorgabe. Sieben Kästen, eine Zeile. Was nicht ins Bild passt, gehört nicht in den Namen. Und wer ein Beispiel ins Dokument schreibt, zählt vorher die Stellen nach.
Was das mit Veeam zu tun hat
Der Hostname lässt sich später ändern, mit Domänenbeitritt, Zertifikaten und Monitoring im Schlepptau. Ein Veeam-Job-Name lässt sich gar nicht mehr ändern . Beides sind Namen, die man in dreißig Sekunden vergibt und jahrelang liest. Die dreißig Sekunden lohnt es, nachzuzählen.
