True IT Stories

Die Warnung, die jeden Tag kam

Freitagmorgen, eine Meldung von einem Partner-Systemhaus. Bei einem ihrer Kunden endet jede Sicherung eines Domänencontrollers mit derselben Warnung:

EFI partition 2 on disk 0 will be backed up as a raw partition

Windows Server 2016, Veeam Agent für Windows 13.1.1.700. Die Sicherung selbst war vollständig, ein Restore hätte funktioniert. Nur der Status war gelb, jede Nacht.

Der Techniker hatte seine Hausaufgaben schon gemacht. Er hatte im Veeam-Forum einen Thread gefunden: Der Fehler ist bekannt, intern bei Veeam dokumentiert, und es gibt einen Hotfix, aber nur über den Support. Seine Frage an uns: Habt ihr den schon?

Warum eine harmlose Warnung gefährlich ist

Bevor es um den Hotfix geht, eine Frage, die man sich bei so etwas stellen sollte: Muss man das überhaupt beheben? Die Sicherung läuft ja.

Ja. Eine Warnung, die jeden Tag kommt und nie etwas bedeutet, wird nach einer Woche nicht mehr gelesen. Nach einem Monat steht der Job in der Übersicht ohnehin gelb. Und dann kommt eines Tages eine echte Warnung. Sie sieht genauso aus: gelb, derselbe Job, dieselbe Stelle. Sie geht unter, weil der Job ja schon immer gelb war.

Eine Dauerwarnung kostet nicht die Sicherung, sondern den Blick auf die nächste Warnung.

Sechs Minuten

Wir haben den Fall bei Veeam mit allem eröffnet, was der Partner mitgebracht hatte: die Nummer des internen Artikels, die Bitte um genau diesen Hotfix, Job-Log, Screenshot, und der Partner in Kopie, damit er die Antworten aus erster Hand bekommt.

Die Antwort kam sechs Minuten später. Die Erklärung: Windows Server 2016 stellt die EFI-Partition nicht so bereit wie neuere Windows-Versionen. Es fehlt ein Zugriffspfad, über den der Agent sie wie ein normales Volume lesen könnte. Die Erkennungslogik fällt dann auf eine Sicherung als Rohabbild zurück und meldet das als Warnung. Gesichert wird trotzdem alles.

Als Lösung empfahl der Support ein Upgrade auf Version 13.1.1.700, oder den Hotfix. Die 13.1.1.700 lief schon. Übrig blieb der Hotfix.

Dass es nicht immer so glatt geht, steht im selben Thread

Im Forum hatte ein anderer Kunde eine ganz andere Antwort bekommen: Die Warnung sei falsch, könne ignoriert werden und verschwinde mit der nächsten Version. Der Product Manager von Veeam widersprach dort selbst: Es gibt einen Hotfix, bitte einen neuen Fall eröffnen. Und wenn es mit der Bearbeitung hakt, über Talk to a Manager im Case-Portal eskalieren.

Ein anderer hatte seinen Fall direkt aus dem Agent heraus eröffnet. Der lief dann als Fall für ein kostenloses Produkt, obwohl er bezahlte Lizenzen hatte.

Derselbe Fehler, drei Wege durch den Support. Wer die Nummer des internen Artikels mitbringt und über den richtigen Zugang kommt, hat den kürzesten.

Der Hotfix braucht einen Vertrag

Dann der zweite Haken. Der Partner wollte den Hotfix selbst einspielen und den Rest direkt mit Veeam klären. Herunterladen konnte er ihn aber nicht: Der Download setzt einen aktiven Vertrag bei Veeam voraus, und die Lizenzen liefen über uns. Wir haben ihm die Datei weitergegeben.

Vor der Installation steht eine Voraussetzung, die auf älteren Servern leicht fehlt: .NET Framework 4.7.2 oder neuer. Sonst bricht der Installer ab, mit einer fehlenden Abhängigkeit namens netstandard, Version=2.0.0.0. Prüfen lässt sich das mit:

Get-ItemProperty 'HKLM:\SOFTWARE\Microsoft\NET Framework Setup\NDP\v4\Full' | Select-Object Version, Release

Mit passendem .NET ließ sich der Hotfix einspielen, die Warnung war weg.

Was wir daraus mitnehmen

  1. Keine Dauerwarnung stehen lassen. Beheben, oder wenn sie wirklich harmlos ist, dokumentieren und gezielt unterdrücken. Ein Job, der immer gelb ist, ist ein Job, den niemand mehr ansieht.
  2. Erst suchen, dann den Fall eröffnen. Wer die Nummer des bekannten Fehlers mitbringt, spart sich die erste Runde Rückfragen.
  3. Antworten des Supports gegenlesen. Ein Upgrade auf die Version, die schon läuft, löst nichts. „Ignorieren“ ist keine Antwort, wenn es einen Hotfix gibt.
  4. Wissen, wer den Vertrag hat. Wer Lizenzen über einen Dienstleister bezieht, kommt an manche Downloads nicht selbst heran. Dann ist der Dienstleister der kürzeste Weg.
  5. Voraussetzungen vor dem Hotfix prüfen. Ein Installer, der abbricht, sieht schnell aus wie ein zweites Problem.